Gruppenrichtlinien: was eine GPO wirklich ist
Zwei Dinge, die oft verwechselt werden
- Das Gruppenrichtlinienobjekt (GPO) ist ein Container mit Einstellungen. Es liegt zentral im Verzeichnis und hat einen Namen.
- Die Verknüpfung verbindet dieses Objekt mit einer OU oder der Domäne. Erst dadurch wirkt es.
Ein GPO kann an mehreren Orten verknüpft sein; eine OU kann mehrere GPOs tragen. Die Reihenfolge entscheidet, welche Einstellung gewinnt.
GPO_Benutzer_Haertung ──verknüpft──▶ OU=Berlin
└── OU=Benutzer
└── Anna Schmidt ← bekommt die Richtlinie
Computer- und Benutzerkonfiguration
Jede GPO hat zwei Hälften:
| Teil | Greift bei | Typische Einstellungen |
|---|---|---|
| Computerkonfiguration | Rechnerstart, Hintergrunddienste | Firewall, USB, Bildschirmsperre |
| Benutzerkonfiguration | Anmeldung des Kontos | Startmenü, Laufwerkszuordnung, Skripte |
Ein Benutzer in OU A, der sich an einem Computer aus OU B anmeldet, bekommt beide Teile – aus unterschiedlichen Verknüpfungen. Das erklärt viele „warum greift das nicht?“-Fragen.
Der Weg einer Richtlinie
- Erstellen – Name und Zweck, nicht „Test1“.
- Konfigurieren – nur die nötigen Einstellungen.
- Verknüpfen – mit OU oder Domäne.
- Prüfen –
gpresult /rzeigt, was tatsächlich ankam. - Aufräumen – nicht mehr genutzte Verknüpfungen entfernen.
Achtung
Eine GPO ohne Verknüpfung tut nichts. Sie existiert, ist aber unsichtbar für alle Clients. Das ist der häufigste Anfängerfehler – und der Grund, warum die Detailansicht die Zahl der Verknüpfungen prominent anzeigt.
Standardrichtlinien
Frisch installierte Domänen haben zwei GPOs:
- Default Domain Policy – domänenweite Kontorichtlinien (Passwort, Sperrung).
- Default Domain Controllers Policy – Härtung der DCs.
Diese beiden sollte man ändern, aber nicht löschen. Passwortregeln gehören in die Domänenrichtlinie; alles andere in eigene GPOs.
Merke
Faustregel: eine GPO, ein Zweck. „GPO_Alles“ ist der Anfang eines unwartbaren Systems.